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The Evil Within 2: Review

  Playstation 4 

Kunst liegt im Auge des Betrachters

Auch als Kenner des Erstlings mussten wir uns erst einmal wieder in das Story-Gestrüpp, welches wir hier wirklich sehr vereinfacht wiedergegeben haben, einfinden und eindenken. Doch unser Kramen im Gedächtnis nach vergangenen Handlungssträngen und Figurenbeziehungen wurde jäh unterbrochen, denn die Entwickler haben nach dem Eintauchen in den STEM einen so gelungenen Einstieg vollbracht, dass wir die zuvor auf uns eingeprasselte Informationsflut beinahe sofort wieder vergessen haben. Denn fast andächtig staunend fanden wir uns nach wenigen Schritten vor einer Art morbidem Stillleben wieder. Begleitet von klassischer Musik konnten wir beobachten, wie ein Mann im Moment seines Todes in einer kleinen Zeitschleife festzuhängen schien. Spritzendes Blut und berstende Teile seines Hinterkopfs wirkten beinahe anmutig und edel zu einem verstörenden, aber nicht minder beeindruckenden Kunstwerk drapiert.

Die sich ab dort entfaltende Schnitzeljagd mit dem morbiden Künstler, der natürlich auch ein Interesse an der Macht des Kerns zur Ausübung seiner Kunst hat, empfanden wir als den stärksten und interessantesten Aspekt des Spiels. Leider rückt in der zweiten Spielhälfte ein viel blasserer Antagonist in den Vordergrund, und auch in anderen Bereichen wusste uns The Evil Within 2 im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger und nach dem Wegfall des "Künstlerbonus" nicht mehr ganz zu überzeugen. Vor allem auf der technischen Ebene unterscheidet sich der Titel kaum von seinem Vorgänger. Sebastian steuert sich erneut ungeheuer träge und schwerfällig, Eingaben werden zum Teil verzögert ausgeführt. Die Kollisionsabfrage, vor allem bei sehr nahe stehenden Gegnern, ist extrem ungenau. Und das neu implementierte Deckungssystem, was einem eigentlich die Stealth-Passagen erleichtern sollte, ist eine hakelige Qual.

https://www.youtube.com/watch?v=pxcxZ54HavI

Diese Umstände in Kombination mit der wohl größten Veränderung des zweiten Teils schmälerten unseren Gesamteindruck leider massiv. Denn wir bewegen uns in der neuen STEM-Welt nicht mehr durch atmosphärische, enge und verwinkelte Gänge wie zuvor noch in der Beacon-Nervenheilanstalt, sondern sind nun überwiegend in weitläufigen Gegner-verseuchten offenen Arealen einer ehemals idyllischen amerikanischen Kleinstadt namens Union unterwegs. Trotz des für Survival-Spiele typischen und auch bei The Evil Within 2 vorhandenen Munitionsmangels lässt Union aufgrund des permanenten Gegnerüberschusses sämtliche Bedrohlichkeit leider vermissen. Man kann den Gegnerhorden einfach jederzeit ausweichen oder sucht sich so lange die zahlreich vorhandenen Crafting-Komponenten zusammen, um sich dann mit genügend Munition einen Weg zu bahnen. Hier geht wirklich verdammt viel Atmosphäre verloren, obwohl der Vorgänger bereits bewiesen hat, dass gerade hier die Stärken liegen.

Allgemein hatten wir an vielen Stellen den Eindruck, dass der gekonnt inszenierte Grusel des Vorgängers beim Nachfolger fast 1:1 durch Gore ausgetauscht wurde, ohne über die daraus resultierende Wirkung nachzudenken. Was The Evil Within 2 an Spannung und Atmosphäre fehlt, wird durch Gewalt und für unseren Geschmack zu viel Action ausgeglichen. Zwar besitzt der Titel durchaus seine Momente – wir sprachen bereits die Geschehnisse rund um den verdrehten Künstler an –, und auch konnte uns eine an japanische Horrorfilme erinnernde Neben-Quest-Reihe sehr überzeugen. Solche Passagen blieben im Spielverlauf aber leider eher die Seltenheit. Für unseren Geschmack sahen wir uns hingegen viel zu häufig mit Horden (anstürmender) Gegner konfrontiert, die uns selbst in den hervorragend gestalteten Innenarealen mit großem Beklemmungs- und Gruselpotenzial die Atmosphäre versauten. Somit ist die Deklaration von The Evil Within 2 als Survival-Horror für uns nicht ganz angebracht – (technisch mauer) Third-Person-Shooter träfe das Genre wohl schon eher. Das bedeutet nicht, dass es sich um ein schlechtes Spiel handelt, denn das Setting ist ohne Frage etwas Besonderes, die Story zwar mitunter etwas verwirrend, aber zweifellos interessant, und das Erkunden der Welt mitsamt dem Crafting macht Spaß. Im Hinblick auf die Genre-Anforderungen sollte man seine Erwartungen aber entsprechend anpassen, um Enttäuschungen zu vermeiden.

The Evil Within 2
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Jessica Rehse am 25 Okt 2017 @ 11:24
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